Homöopathie
Eines Tages fing er dann an mit einem Selbstversuch und wendete die Chinarinde an. Und erstaunlicherweise zeigten sich irgendwann tatsächlich auch die Symptome einer Malaria, obwohl ihm genau diese Heilpflanze einige Zeit zuvor gegen die Malaria geholfen hatte. So war es anzunehmen, dass die Chinarinde beides konnte, die Malaria hervorrufen – und die Malaria heilen. Es kam eben nur auf die Dosierung an, war Hahnemanns bis heute sehr wichtige medizinische Entdeckung.
Dies war die Geburtsstunde der Homöopathie, die auch heute noch angewendet wird neben Schulmedizin – und in den letzten zwei, drei Jahrzehnten auch immer mehr neue Anhänger gewonnen hat. Samuel Hahnemann machte damals den Anfang mit seiner Forschung und spezialisierte sich dann auf dem Gebiet dieser Art zu heilen.
Viele Jahrzehnte später würdigte ein ganz Großer der Menschheitsgeschichte das Schaffen von Hahnemann. In einer Rede, die er am 30.August des Jahres 1936 hielt, sagte der Friedenskämpfer Mahatma Gandhi:
"Homöopathie ist die modernste und durchdachteste Methode, um Kranke ökonomisch und gewaltlos zu behandeln. Die Regierung muss sie in unserem Land fördern und unterstützen. Genauso wie mein Prinzip der Gewaltlosigkeit niemals scheitern wird, enttäuscht auch die Homöopathie nie. Aber die Anhänger der Homöopathie könnten infolge falscher Anwendung der homöopathischen Prinzipien versagen. Dr. Hahnemann besaß einen genialen Geist und entwickelte eine Methode, in der es keine Begrenzung gibt, um das menschliche Leben zu retten. Ich verneige mich in Ehrfurcht vor seinem Können und dem großen humanitären Werk, welches er schuf."
Samuel Hahnemann nahm den Chinarindenversuch, den er im Jahre 1790 durchführte, zum Anlass, weiter zu forschen an der Heilung von Krankheiten durch Ähnliches, in geringer Dosierung, die uns heute als Potenzierung bekannt ist. Im Jahr 1796 veröffentlichte er dann seine Forschungsarbeit "Versuche über ein neues Prinzip zur Auffindung der Heilkräfte der Arzneisubstanzen nebst einigen Blicken auf die bisherigen" – und setzte damit neue Maßstäbe in der Medizin. Sein erforschtes und zu Papier gebrachtes Prinzip, Similia similibus curentur, Ähnliches soll durch Ähnliches geheilt werden, brachte der Medizin neue, bis dahin ungeahnte Möglichkeiten.
Im Jahre 1810 folgte dann die Veröffentlichung von Hahnemanns großem Werk, dem Organon der rationellen Heilkunde, DAS Lehrbuch der Homöopathie, und bis heute Standardwerk der praktizierenden Homöopathen. Neun Jahre später kürzte er den Namen des Lehrbuchs auf den Titel „Organon der Heilkunde“. In der Zwischenzeit, im Jahre 1812, machte er seine Professur und lehrte an der Universität Leipzig. Dies zeigt, wie sehr es zu jenen Tagen möglich war, auch als eine Art Revolutionär und Umkrempler der vorherrschenden Schulmedizin auch weiter als Arzt praktizieren und gar an der Universität lehren zu dürfen. Vielleicht sollte Samuel Hahnemanns Berufsweg auch heute wieder zur Vorbildfunktion werden für ein starres schulmedizinisches System, das immer wieder der Auffrischung und vor allem des Umbruchs bedarf.
In der heutigen Zeit, in der die Homöopathie wieder einen höheren Stellenwert gewonnen hat, ist es oft wünschenswert, dass Schulmedizin und Homöopathie Hand in Hand gehen und gemeinsam einen Weg zur Heilung des erkrankten Menschen entwickeln. Leider ist dies noch viel zu selten, aber immer mehr Ärzte werden wachsamer und sehen mehr das Wohl des Patienten und suchen deshalb auch nach neuen Wegen der Behandlung von Kranken.
Übersetzt bedeutet das Wort „Homöopathie“ übrigens so etwas wie „ähnliches Leiden“, das abgeleitet ist aus dem Ähnliches soll durch Ähnliches geheilt werden, dem Similia similibus curentur.
Erforscht hatte Samuel Hahnemann sein Ähnlichkeitsprinzip jedoch nicht nur an sich selbst. Auch anderen Gesunden gab er bestimmte Mittel in kleiner Dosierung und beobachtete dann die Wirkungen auf den Körper des Probanden.
Damals wie heute ist eine wichtige Diagnosestellung unerlässlich. Auch Homöopathen selbst sagen, dass die potenzierten Mittel nicht als Ersatzmedikation genommen werden sollen, wenn ein Patient von einem Arzt verordnete Medikamente absetzen möchte. Vielleicht ist es wichtig, die richtige Diagnose zu stellen und dann zu beurteilen, welches Mittel sinnvoller ist und ob homöopathische Mittel entweder alleine oder als Ergänzungsarznei eingenommen werden können.
Eine wichtige Tatsache darf bei der Homöopathie jedoch nicht unerwähnt bleiben: Aus ihr ging – indirekt – die Lehre der Schüßler Salze hervor. Wilhelm Heinrich Schüßler, seines Zeichens Mediziner und Homöopath, entdeckte irgendwann die Grenzen, an welche die Heilung des Ähnlichen durch das Ähnliche stieß: bei den Mangelerscheinungen, die ein menschlicher Körper aufgrund von Beschwerden und Krankheiten zeigte. Schüßlers Ansicht nach reichte die Homöopathie nicht aus, um aller Leiden und Krankheiten Herr zu werden und legte deshalb im Jahr 1873 zwölf Mineralsalze fest, die er Biochemische Mittel nannte, die inzwischen auch als Funktionssalze (hier den Link setzen zum Punkt „Schüßler Salze, Einführung in die“) oder auch Funktionsmittel bekannt sind und die später als die Schüßler Salze in die Geschichte der Medizin eingingen. Schüßler selbst sah die Biochemischen Mittel nicht als Teil der Homöopathie an, eben weil das Similia similibus curentur dabei eigentlich nicht zutrifft. Dennoch werden die Schüßler Salze auch heute noch von den meisten als ein Teilgebiet der Homöopathie angesehen.