Ein Frühwarnsystem das Infektionskrankheiten und deren Ausbreitung rechtzeitig meldet würde allen zugute kommen. Ob Arzt, Patient, private oder gesetzliche Krankenkasse: Alle könnten an einem derartigen System partizipieren sowie davom profitieren.
Wissenschaftler der Universität Hannover entwickeln gemeinsam mit Forschern aus sechs anderen Einrichtungen das M-Eco-System. Dies geschieht im Rahmen eines europäischen Forschungsprojekts. Das Ziel ist es, frühzeitig Hinweise auf Krankheitsausbrüche zu erhalten. Dazu „hört“ das System die Unterhaltungen im Internet mit und filtert Online- oder Twitternachrichten heraus, in denen bestimmte Krankheiten oder Symptome benannt werden. Mit Methoden des maschinellen Lernens erkennt es in den Texten Kombinationen aus Ortsangaben und Krankheiten, die es als Muster interpretiert werden können. Wird ein Schwellenwert überschritten oder werden Auffälligkeiten festgestellt, erhält der zukünftige Nutzer des Frühwarnsystems einen Hinweis mit den entsprechenden Informationen.
Zur Zeit werden Informationen, dass ein Patient eine hochgradig ansteckende Krankheit habe, ausschließlich über die Infektionsmeldungen aus Laboren, Krankenhäusern und Arztpraxen, zusammengestellt. Wird zum Beispiel eine meldepflichtige Krankheit wie Masern diagnostiziert, sind diese Einrichtungen verpflichtet, diese Diagnose zu melden. Die lokal zuständigen Gesundheitsämtern prüfen dann, ob Maßnahmen zu ergreifen sind. Sie leiten die Daten in regelmäßigen Abständen an das Robert-Koch-Institut (RKI) weiter. Von hier oder von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kann dann die Warnung vor drohenden Krankheitsausbrüchen oder einer Epidemie ausgegeben werden.
Statt dieses offiziellen Meldedatenweges verwendet das M-Eco-System Informationen aus erster Hand. Darunter fallen nicht nur Twitternachrichten, sondern auch Einträge in Weblogs. Das M-Eco-Projekt läuft bereits seit zwei Jahren. Die Forscher konnten außerdem rückwirkend feststellen, dass M-Eco zeitnah Informationen zu Krankheitsausbrüchen bereit stellen kann. Für die EHEC-Epidemie im Mai 2011 in Deutschland, die durch Escherichia-coli-Bakterien in Sprossen ausgelöst wurde, waren früh relevante Informationen in Social-Media-Daten und Online-Nachrichten verfügbar.
Im Frühwarnsystem sollen keine personenbezogenen Daten gesammelt und gespeichert werden. Allerdings werden solche rechtlichen Fragestellungen noch genauer geklärt. Voraussichtlich ab Mitte 2012 soll ein Prototyp in Betrieb genommen werden.