Seit der neue Gesundheitsminister Rösler im Amt ist, macht immer wieder ein Gespenst die Runde unter Krankenversicherungsexperten und Assekuranzen. Die Rede ist von der Kopfpauschale, an deren Einführung der neue Bundesgesundheitsminister kürzlich sogar seine politische Existenz geknüpft hat. Was aber würde die Einführung einer solchen Pauschale für Versicherte und Versicherungen bedeuten? Welche Auswirkungen auf die PKV sind zu erwarten?
Diese Fragen sind nicht ganz einfach und schon gar nicht in einem Satz zu beantworten. Eine Kopfpauschale hätte Auswirkungen auf ganz verschiedenen Ebenen, etwa der finanziellen Ebene oder der Leistungsebene. Hier können ganz unterschiedliche Effekte entstehen, die sowohl positiv als auch negativ auf die privaten Krankenkassen einwirken können.
Nehmen wir einmal die finanzielle Ebene: In der Diskussion um die Kopfpauschale zeichnet sich ein pauschaler Beitragssatz von etwa 100 oder 145 Euro, in manchen Diskussionen auch bis zu 200 Euro pro Versichertem ab. Rein finanziell betrachtet würde eine Pauschale in einer solchen Höhe Konkurrenz für die PKV bedeuten: Freiwillig gesetzlich Versicherte könnten bei einer solchen Beitragshöhe aus Kostengründen in der gesetzlichen Krankenversicherung verbleiben – der finanzielle Anreiz zum Wechsel in die PKV wäre zumindest gemindert. Bevor eine solche Pauschale jedoch beschlossen werden kann muss zuerst geklärt werden, wie die dafür benötigten Steuergelder beschafft werden sollen – und zu diesem Thema schweigt das Gesundheitsministerium bisher beharrlich.
Neben der Frage der Beitragshöhe ist für Krankenversicherte auch der gebotene Leistungsumfang von Bedeutung. Und hier punkten ganz eindeutig die privaten Krankenversicherer, die selbst im günstigsten Tarif meist deutlich mehr Leistung als die gesetzlichen Kassen bieten. Die Kopfpauschale könnte den Unterschied noch weiter vergrößern: Um die Pauschale finanzieren zu können wären viele Krankenkassen wahrscheinlich gezwungen, ihren Leistungskatalog weiter zu kürzen, während die privaten Kassen weiterhin einen offenen Leistungskatalog bieten können. In der Folge träten die Leistungsunterschiede zwischen privater und gesetzlicher Versicherung sehr deutlich zutage. Der deutlich umfangreichere Leistungskatalog der Privaten wäre dann wieder zusätzlicher – und großer – Anreiz für einen Wechsel in die PKV.
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