Das Bundesgesundheitsminsterium plant Medienberichten zufolge offenbar, den Arzneimittelmarkt radikal umzubauen. Eine Expertengruppe um Gesundheitsminister Rösler hat ein Konzept erarbeitet, um Kosten für innovative Arzneimittel einzudämmen. Gegenüber der Pharmaindustrie sollen damit Einsparungen in Höhe von rund zwei Milliarden Euro pro Jahr realisiert werden. Ziel sei es, das bisherigen Preismonopol der Pharmabranche zu brechen, so Rösler. Bisher ist es in Deutschland für Pharmaunternehmen möglich, aufgrund ihrer Monopolstellung praktisch jeden Preis für ein Medikament zu verlangen. Faktisch bezahlen Kranke in Deutschland auf diese Weise einen großen Teil der Forschungs- und Entwicklungskosten der Konzerne mit – in anderen Ländern ist es schon lange üblich, dass Krankenkassen mit den Herstellern über Preise verhandeln und Höchstpreise fixiert werden.
Einen ganz ähnlichen Plan verfolgt nun auch das deutsche Gesundheitsministerium: Auch in Deutschland sollen die Arzneimittel-Hersteller künftig mit den Krankenkassen über niedrigere Arzneimittelpreise verhandeln. Sollte eine Einigung nicht möglich sein, droht das Ministerium damit, Höchstpreise festzusetzen. Zur Diskussion stehen darüber hinaus auch Zwangsrabatte und die Option, das Milliarden-Budget für alle patentgeschützten Mittel einzufrieren. Die Regelungen sollten nach Möglichkeit auch für Medikamente gelten, die sich bereits am Markt befinden.
Offiziell äußern will sich das Bundesgesundheitsministerium zu den Sparplänen erst, sobald das Konzept “spruchreif” ist. Grundsätzlich jedoch, so ein Ministeriumssprecher, wolle Minister Rösler “die Maßnahmen ergreifen, die im Sinne der Versicherten und Patienten erforderlich sind” – auch gegen Widerstände aus der Pharmaindustrie. Ob auch Mitglieder der privaten Krankenversicherung von der Reformwut des Ministers profitieren werden ist jedoch noch unklar: Der PKV-Verband mahnte zuletzt, dass auch die privaten Versicherer gern die Möglichkeit von Preisabsprachen für Medikamente mit den Herstellern nutzen würden, um Kosten zu senken.
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