Die Vorwürfe bleiben aktuell. Privatversicherte würden beim Doktor bevorzugt; zumindest bei der Terminvergabe durchs Personal am Telefon am berühmt-berüchtigten “Medical Office Counter”, wo grad eben nicht der Chef der Chef ist und wo auch Sympathie ‘ne Rolle spielt. Eine neuerliche Studie des Verband der Betriebskrankenkassen (BKK) bestätige dies, auch wenn die Unterschiede im Wartezimmer gering seien und eben deshalb doch “keine Zwei-Klassen-Medizin” vorliege.
Kassenpatienten müssen also mehr als doppelt so lange auf einen Termin beim Arzt warten wie ein Privatpatient. Das Ergebnis eine Umfrage unter fast 5000 Patienten, die der Verband der Betriebskrankenkassen (BKK) in Auftrag gab.
Demnach müssen selbst bei akuten Beschwerden gesetzlich Versicherte im Schnitt acht Tage auf einen Termin warten und der Privatversicherte drei.
Im Wartezimmer hockend geht s dann eher nach der Reihenfolge des Eintreffens der vergebenen Termine. Ein ähnliches Ergebnis wie noch im Frühjahr 2008, wenn auch als Studie der Universität Köln mit kleinerer Befragungsmenge.
Als Bewies für eine Zwei-Klassen-Medizin reicht jedoch auch die zweite Studie nicht aus. Schließlich ergab die Befragung, dass bei akuten Beschwerden die Mehrzahl der Patienten am selben Tag behandelt worden sei. Doch 40 Prozent der gesetzlich Versicherten mit akuten Beschwerden versuchten gar nicht erst, einen Termin auszumachen, sondern gingen direkt in die Praxis. Fast ein Drittel erhielt einen Termin am selben Tag. Wer mit akuten Beschwerde hätte acht Tage warten müssen, dem stellt sich die Frage, wie stark waren die Symptome…
Ein Merkmal der Studie ist klar: es gibt große Unterschiede bei der Terminvergabe, wenn der Patienten keine akuten Beschwerden hat. Macht für die Privatpatienten zwölf Tagen und für gesetzlich Versicherte 26 Tage Wartezeit.
Dabei spiele aber bei vielen Fällen der individuelle und privaten Terminkalender eine Rolle, weshalb man eine längere Wartezeit in Kauf nähme. Unter den Kassenpatienten sei jedoch schon jedem siebten geschehen, dass er keinen Termin bekam, unter den Privatpatienten nur jedem elften.
Jeder hat so seine Personal-Beobachtungen
Für die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) ist klar: Hier besteht noch erheblicher Optimierungsbedarf. Schließlich läuft auch bei eigener Beobachtung – und jeder war schon mal in einer Arztpraxis – auch in den Praxen das zugehörige -Zeit-Management nicht immer allerbestens, wenn auch die Qualität der medizinischen Behandlung bei allen Patienten unabhängig vom Status gleich sei.
Eine tatsächliche Zwei-Klassen-Medizin gibt es also nicht, auch wenn ein Privatpatient, der dem Arzt mehr Umsatz bringt, meist auch den besseren Service bekommt. Wer dann im Wartezimmer sitzt, merkt nach eigenen Angaben kaum mehr Unterschiede: Kassen sieht den Arzt nach 29 Minuten, der Private nach 22.
Am längsten sitzen muss man bei Chirurgen (im Durchschnitt 42 Minuten), bei Orthopäden (37 Minuten) sowie bei Hals-Nasen-Ohren-Ärzten (je 35 Minuten). Elend lange Termine vergeben nach eigenem Empfinden Augenärzte.
Gering Wartezeit vermelden die Patenten bei Kinderärzten.
Mit der neuen Studie wird darauf verwiesen, dass sich die Wartezeit wahrscheinlich deutlich verlängere, wenn Kassenpatienten als Behandlungsprogramm einen “Hausarztvertrag” mit ihrer Krankenkasse – eingingen. Dann nämlich gelte nur eingeschränkte Arztwahl, was regional und nach Wohnsitz einen Run auf nur einige Ärzte auslösen könnte..
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