Die 30 größten gesetzlichen Krankenversicherer haben einen Überschuss von insgesamt 3,9 Milliarden Euro gegen Ende 2011 erwirtschaften können. Dieser Überschuss in Millionenhöhe soll, sofern es nach Meinung der Politiker ginge, am besten als Prämie an die Versicherten zurückgehen. Gesundheitsminister Daniel Bahr und CDU-Gesundheitspolitiker Jens Spahn forderten einige gesetzliche Krankenkassen auf die Überschüsse an die Versicherten weiterzugeben. Bahr ist der Auffassung, dass das Geld genüge einige Millionen Versicherte eine Rückzahlung von 60 bis 100 Euro zu bieten.
Doch aus einer Umfrage der Ärzte Zeitung lässt sich eher vermuten, dass die Krankenkassen eigentlich andere Pläne haben, als die überschüssigen Beitragseinnahmen an ihre Versicherten auszuzahlen. Die Sprecherin der Techniker Krankenkasse (TK) erklärte, dass man lieber auf eine langfristige Beitragsstabilität setzen wolle, anstatt kurzfristig Prämien an die Versicherten auszuschütten. Nur auf diese Weise könne die TK ihren Versicherten versichern, auch in den kommenden 24 Monaten kein Zusatzbeitrag auferlegen zu müssen. Der Barmer-GEK Sprecher Athanasios Drougias meinte, dass die Ausschüttung der Überschüsse in Form von Prämien eine „sehr kurzatmige Debatte“ sei.
Die Barmer-GEK spricht sich für die Rückkehr zur Beitragsautonomie aus und möchte zudem die Beiträge lieber selber bestimmen. Bei den Betriebskrankenkassen (BKK) ist eine Ausschüttung der Überschüsse in Form von Prämien jedenfalls nicht bei allen Kassen geplant, schließlich haben mehrere Krankenkassen schwierige finanzielle Situationen zu bewältigen. Bei der BKK ATU sollen aber knapp 30 Euro und bei der BKK Aesculap um die 100 Euro an die Versicherten ausgeschüttet werden. Auch bei der größten Innungskrankenkasse Deutschlands, die IKK Classic, wurde im letzten Jahr einen Überschuss von mehr als 149 Millionen Euro eingefahren. Doch auch hier gab der Kassensprecher, Michael Förstermann, bekannt, dass eine Ausschüttung des Überschusses als Prämie nicht in Planung sei. So dürften sich Politik und Versicherte über einen Bonus wohl zu früh gefreut haben, doch ist diese Variante wohl sinnvoller als gleich wieder Zusatzbeiträge zahlen zu müssen.